
DIE GESCHICHTE DER WIENER HAKOAH
Die Wiener HAKOAH (auf hebräisch "Kraft") zählt zu den traditionsreichsten und erfolgreichsten Sportvereinen Österreichs. In seiner Geschichte spiegelt sich aber auch die Geschichte der Wiener Juden des 20. Jahrhunderts.
HAKOAH

HAKOAH 1909
Gegründet wurde die HAKOAH am 26. September 1909 als Folge des gestiegenen Selbstbewusstseins liberaler Juden und der veränderten Einstellung zur Körperkultur. Ein zweiter wichtiger Grund war die Ausgrenzung der Juden von anderen Sportvereinen durch Arierparagraphen. Erster Präsident war Fritz Löhner-Beda.

SCHWIMMERINNEN
Nachdem die jüdischen Bürger in Wien zu jener Zeit eine große Gemeinschaft waren (180.000), erfreute sich die HAKOAH schnell regen Zustroms. In der Folge wurden verschiedene Sektionen wie Fechten, Fußball, Hockey, Leichtathletik, Ringen und Schwimmen gegründet. Sehr erfolgreich waren die Schwimmerinnen Fritzi Löwy, Lucie Goldner, Hedy Bienenfeld-Wertheimer mit ihrem Trainer Zsigo Wertheimer.

FUSSBALLTEAM 1927
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Sportbetrieb - trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation - ausgebaut und es kamen weitere Sektionen wie Eishockey, Handball, Schach, Ski-Touristik, Tennis, Tischtennis und Wasserball dazu. Damit wurde die HAKOAH zu einem der mitgliederstärksten Sportvereine Österreichs. Der HAKOAH Platz im Wiener Prater avancierte sogar zum gesellschaftlichen Zentrum vieler Wiener Juden. Das Stadion der HAKOAH fasste im Jahr 1922 3.500 Sitzgelegenheiten und 25.000 Stehplätze. Ein tadelloses Fußballfeld, Laufbahn und Sprungplatz für die vielen Leichtathleten des Klubs.

RINGER
Der Enthusiasmus der Hakoahner der Zwischenkriegszeit wurde mit zahlreichen nationalen und internationalen Titeln (auch bei den Olympischen Spielen) belohnt. Legendär sind vor allem die Erfolge der Fußball- und Wasserballmannschaft, der Ringer und der Schwimmer. Ab 1933 verschärfte sich die politische Situation und der reguläre Sportbetrieb wurde immer stärker eingeschränkt. Viele Hakoahner verließen im Laufe dieser Jahre Wien und ihre geliebte HAKOAH. 1938 wurden die Vereinsstätten der HAKOAH beschlagnahmt. Das Fußball- und Sportstadion in der Krieau von der Gemeinde Wien der SA-Standarte 90 in Pacht gegeben. 1941 wurde der Name HAKOAH in Wien offiziell ausradiert, es folgte die systematische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung.

RÜCKKEHR
Aber nur kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der HAKOAH von einigen wenigen Überlebenden und Rückkehrern (etwa 6000) neues Leben eingehaucht. Mit viel Begeisterung und persönlichen Einsatz gelang es einige Sektionen wieder aufzubauen - obwohl die beschlagnahmten Sportstätten nicht rückerstattet wurden. Den Anfang machten die Sportarten Schwimmen und Leichtathletik, im Laufe der Zeit kamen Basketball, Bridge, Fußball, Judo, Karate, Tennis, Tischtennis, und Wasserball dazu. Leider konnten nicht alle diese Sektionen aufrechterhalten werden. Obwohl die Zahl der jüdischen Sportler in Wien nach dem Holocaust dramatisch gesunken war, errangen diese etliche nationale und internationale Titel. Vor allem bei den Maccabi-Spielen (den jüdischen Olympischen Spielen) konnten Hakoahner einige Medaillen gewinnen.

AKTUELL
Thomas Löwy, Präsident des S.C. HAKOAH, ist seit Jahrzehnten engagiertes Mitglied der Schwimmsektion und ein herausragender Athlet in der Mastersklasse. Bei der Masters-Europameisterschaft in Belgrad triumphierte er in der Altersklasse 55 mit Gold über 50 Meter Schmetterling und Silber über 100 Meter Freistil. Zudem stellte er vier österreichische Rekorde in seiner Altersklasse auf. Auch bei der 20. Maccabiah in Israel bewies Thomas Löwy seine Klasse. Er sicherte sich fünf Goldmedaillen. Mit diesen Erfolgen setzt er nicht nur sportliche Meilensteine, sondern repräsentiert den S.C. HAKOAH auf höchstem Niveau.

FRITZ LÖHNER-BEDA
1. HAKOAH PÄSIDENT
Im Jahr 1888 zog die Familie Löwy nach Wien. 1896 änderte sie ihren Namen in „Löhner“. Fritz Löhner-Beda studierte nach der Matura am Wiener Gymnasium Kundmanngasse an der Wiener Universität Rechtswissenschaften bis zur Promotion und arbeitete ab 1908 auch einige Zeit in einer Wiener Anwaltskanzlei. Während seines Studiums wurde er Mitglied der jüdischen Studentenverbindung Kadima Wien. Er war ein hervorragender Fußballspieler und 1909 Gründungsmitglied und erster Präsident der Hakoah.
















